Zwei Bücher haben mich im 2025 begeistert. Das Buch von Stanley Rosenberg „Der Selbstheilungsnerv – so bringt der Vagus-Nerv Psyche und Körper ins Gleichgewicht“ und das Buch von Gopal Norbert Klein „Der Vagus, Schlüssel zur Traumaheilung“. Beide Autoren zeigen auf, wie wichtig der vordere Ast des Vagusnervs (Teil des Parasympathikus) bei der Regulation unseres Nervensystems ist.
Norbert Klein beschreibt aus der Perspektive der frühen Prägungen unserer Kindheit. Er empfiehlt das „Ehrliche Mitteilen“ und Sprechen über Belastendes und das Ausdrücken von Gefühltem und Erlebtem. Einfach ausgedrückt, wird unser „soziales Nervensystem“ dadurch aktiviert und in einem gewissen Sinne „trainiert“.
Stanley Rosenberg (selber Körpertherapeut, Rolfing und Craniosacral Therapie) beleuchtet das Ganze aus einer physischen Perspektive. Er zeigt die Anatomie und die funktionellen Voraussetzungen auf (Austrittsstelle, Platzverhältnisse, Stellung der Halswirbelsäule etc.). Er macht bewusst, wie wichtig der ungehinderte Verlauf des Nervs für sein optimales Funktionieren ist. Damit hat er mir tief aus dem Herzen gesprochen. Der vordere Ast des Vagusnervs hat also auch eine ganz physische Seite.
Er beschreibt weiter auf sehr klare Weise, was passiert, wenn unser autonomes Nervensystem dysreguliert ist. Nebst vielen Symptomen, die wir dann entwickeln können, verlieren wir auch unsere Fähigkeit in nährenden, sozialen Austausch zu gehen und schlussendlich auch unsere Fähigkeit zur Empathie. Wir stecken im Überlebensmodus fest. Übermässige Gereiztheit, Überforderung, Einsamkeit, Kraftlosigkeit etc. sind die Folgen.
Auch wenn Stanley Rosenberg über Stress, unsere Regulationsfähigkeit und das soziale Nervensystems, über ADS/ADHS, Asthma, Migräne, Autismus, Angst- und Panikstörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Depression etc. schreibt, bleibt der rote Faden der Vagusnerv und seine wichtige Aufgabe bei der Regulation des Nervensystems.
Fazit: Wir können den Vagusnerv in der Körpertherapie behandeln und auch durch Übungen seine Funktion verbessern. Das macht definitiv Mut, oder?! Wir können selber etwas tun. Begleitend zu anderen Therapien und Massnahmen kann das tägliche Üben unser Wohlbefinden deutlich verbessern.
Wie wäre es, wenn du bei meinem Selbst-Experiment mitmachen würdest?

- Möchtest du dich entspannter oder einfach wohler fühlen?
- Deine Verdauung verbessern?
- Dein Herz beruhigen?
- Sozial zugänglicher sein?
Dann mach mit!
Was würde das für dich bedeuten?
- Das tägliche Durchführen der Vagus-Grundübung (max. 3 Min.).
- Du notierst deine Beobachtungen, wenn du welche hast.
- Nach 4 Wochen ziehst du Bilanz. Was hat es dir gebracht? Was hat sich verändert? Wenn du magst, darfst du gerne deine Resultate mit mir teilen (telefonisch oder per e-mail). Ich würde mich riesig und wahnsinnig freuen!
Mein Selbst-Experiment:
Ich bin nun bereits seit 4 Wochen am Üben. Ich selber bemerke eine bessere Verdauung und wenn ich nicht einschlafen kann, hilft mir die Übung ebenfalls. Im Allgemeinen bin ich entspannter und weniger müde.
Und so geht die Übung:
Du legst dich bequem auf den Rücken, verschränkst die Hände und legst sie an deinen Hinterkopf. Die Augen sind geöffnet. Der Kopf bleibt ruhig liegen, die Nasenspitze schaut zur Decke und bewegt sich während der Übung nicht.
- Du blickst nach rechts und bewegst dabei nur die Augen. Nur soweit, wie es für dich problemlos möglich und keine Anstrengung ist.
- Du hältst den Blick nach rechts gerichtet (ohne den Kopf mitzubewegen) und atmest ruhig und regelmässig. Entspanne dich dabei so gut es geht.
- Du wartest ca. 30-60 Sekunden bis ein tieferer Atemzug (automatisch) kommt, ein deutliches Schlucken, Gähnen oder Seufzen. Das ist DAS Zeichen, dass du die Übung richtig gemacht hast und der Vagusnerv aktiviert wurde. Erst dann bewegst du die Augen langsam wieder zurück zur Mitte.
- Das Gleiche machst du nun nach links. Warte wieder auf das Zeichen deines Körpers, bevor du mit den Augen zur Mitte zurück gehst.
- Löse die Arme/Hände und registriere kurz wie es dir geht, bevor du aufstehst. Fertig!
